Bildkategorien

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awate-e (Hysterie-Bilder)

Im 8. Monat des Jahres 1862 wurde im Dorf Namamugi ein Engländer von Japanern ermordet und drei Engländer verletzt. Dieser „Vorfall von Namamugi“ verursachte großes Aufsehen und schließlich forderten die Engländer eine beträchtliche Geldsumme als Wiedergutmachung. Zur Machtdemonstration fuhren sie mit Militärschiffen in die Bucht von Edo ein. Einwohner von Edo und der Umgebung flüchteten in größter Eile. Diese Szenen der Flucht wurden in den awate-e dargestellt.

bijin-ga (Schönheiten-Bilder)

Am 4. Tag des 6. Monats des Jahres 1842 hatte die Regierung ein Gesetz gegen die Abbildung von „Schönheiten“ (meist Kurtisanen aus den Vergnügungsvierteln) erlassen. Um das Gesetz zu umgehen, stellte man daraufhin die schönen Frauen in lustigen Situationen dar und lieferte Erklärungen und Gedichte dazu. Die so entstandenen Karikaturen waren dadurch vom Gesetz ausgenommen.

Boshin sensō-e (Bilder vom Boshinkrieg)

Von 1868 bis 1869 wurde zwischen den Anhängern des Kaisers (shinseifu-gun: Satsuma-han und Ch?sh?-han etc.) und dem Tokugawa Shogunat (sabaku-gun: bakufu, Aizu-han, Kuwana-han etc.) der Boshin-Krieg ausgetragen (nach dem japanischen Kalender heißt das Jahr 1868 boshin-Jahr). Die Niederlage der Shogunats-Partei führte direkt zur Meiji Restauration.
Zum Boshin-Krieg entstanden die sogenannten kodomo no asobi-e und auch otona no tawamure-e. Dabei spielen zwei Gruppen von Kindern oder Erwachsenen verschiedene Spiele und repräsentieren die jeweiligen Kriegsgegner. Anhand der Muster und Wappen auf den Gewändern kann man die Figuren den Anhängern der Regierungs- (Tokugawa-Shogunat) bzw. der Kaiserpartei zuordnen. Je nach geschichtlichem Verlauf änderte sich die Situation der einzelnen Gruppen im Spiel als Gewinner oder Verlierer.
Von allen Karikaturbildern wurde von dieser Kategorie die größte Anzahl produziert und bildete somit die Spitze des Karikaturbooms. Es sind um die 300 verschiedenen Bildmotive erhalten.

bunmei kaika-e (Modernisierungsbilder)

Nach der Meiji-Restauration 1868 wurde versucht, möglichst rasch westliche Kultur, Wissenschaft und Technik in Japan einzuführen. Japaner übernahmen den westlichen Lebensstil und westliche Ideologien. Es erfolgte jedoch keine ganzheitliche Übernahme sondern stückchenweise wurde der westliche Lebensstil mit traditionellen japanischen Elementen kombiniert. Bunmei kaika-e machten sich über die teilweise grotesken Ergebnisse lustig. So wurden beispielsweise traditionelle Kimonos mit westlichen Schuhen oder Hüten kombiniert, oder man trug im Gegenteil westliche Kleidung mit japanischen Accessoires.

fūshiga (Karikaturen)

Bilder, in denen Politiker oder berühmte Persönlichkeiten aber auch Moralvorstellungen oder Modetrends etc. ironisch dargestellt werden. Da es in der Edo-Zeit von der bakufu-Regierung jedoch streng verboten war, sich öffentlich über bestimmte Themen, aber vor allem über Politik zu äußern, mussten die Inhalte mittels versteckter Anspielungen dargestellt werden.

giga (Humor-Bilder)

hanji-e (Rätsel-Bilder)

Wortspiele werden in Bilder umgesetzt. So entsteht ein Rätsel, das der Betrachter aufzulösen hat. Beispiel: um einen Rechen (kumade) darzustellen, werden ein Bär (kuma) und eine Hand (te) abgebildet, die zusammen „kumade“ – Rechen ergeben. Die Bilder und das entstandene Wort haben meist keine inhaltliche Verbindung, es kommt nur auf die Bezeichnung des Bildes an. Zu raten waren neben typischen Produkten der einzelnen Provinzen aber vor allem die Namen berühmter Dichter, Helden der Vergangenheit sowie berühmter Schauspieler der damaligen Zeit.

hashika-e (Masern-Bilder)

Vom 4. bis 7. Monat des Jahres 1862 kursierte in Edo eine der größten Masernepidemien Japans. Lustig Bilder entstanden als Talisman gegen die Krankheit. Es gab auch Verhaltensmaßregeln wie man sich vor der Krankheit schützen könne aber auch Therapievorschläge. Heute sind noch ca. 100 verschiedene Bildmotive erhalten.

hayarigami-e (Modegötter-Bilder)

Vom Frühjahr bis Sommer 1849 gab es kurzzeitig einen Boom um drei Modegötter. Okina Inari Daimyōjin wurde in Nihonbashi verehrt. Datsueba in Naitō Shinjuku Shōjuin und Otake Dainichi-nyorai in Ryōgoku Ekōin. Insgesamt sind bis heute ca. 50 verschiedene Bildarten über diese drei Modegötter erhalten geblieben.

ken no e (ken-Bilder)

Ken ist ein Spiel für zwei oder drei Personen, das mit den Händen gespielt wird. Es gibt verschiedene Versionen, eine davon ähnelt unserem heutigen "Schere, Stein, Papier". Es gewinnt immer einer, aber einer muss auch immer verlieren - im Grunde gibt es also keinen wirklichen Gewinner. Dieses Spiel wurde in der Edo-Zeit von China aus eingeführt und war anfangs bei Trinkgelagen im Vergnügungsviertel populär. Später fand es auch in weiteren Teilen der Gesellschaft Verbreitung. 1847 wurde im Kawarazaki-Theater (Edo) der totetsuru-ken (Kabuki-Tanz mit ken-Konstellation) erstmals aufgeführt woraufhin die totetsuru-ken-Bilder ein riesiger Erfolg wurden. Auch danach gab es noch eine Reihe von erfolgreichen Aufführungen von Kabuki-ken-Tänzen (kitsune-ken, sangoku-ken, asakusa-ken etc.) und den dazugehörigen populären ken-Spiel-Bildern.

namazu-e (Erdbeben-Bilder)

Am 2. Tag des 10. Monats des Jahres 1855 gab es ein großes Erdbeben in Edo. Sofort nach diesem Unglück entstanden massenhaft Bilder mit Wels-Motiven. Dieser Boom hielt jedoch nur ca. zweieinhalb Monate an, da sie am 14. Tag des 12. Monats des gleichen Jahres von der Regierung verboten wurden. Trotz dieses kurzen Zeitraums wurden ca. 400 Wels-Bildern produziert (Quelle: Nai no hinami). Bis heute sind ca. 200 verschiedene Bildmotive erhalten.
Laut einer japanischen Sage liegt ein riesiger Wels-Fisch tief in der Erde. Normalerweise wird er mit großen Steinen (kaname-ishi) von der Shinto-Gottheit Kashima Daimy?jin festgehalten, damit er keinen Schaden verursachen kann. Im 10. Monat reist Kashima Daimy?jin jedoch immer nach Izumo zu einer Versammlung aller Shinto-Gottheiten, weshalb der 10. Monat auch als kannatsuki (gottloser Monat) bezeichnet wird. Durch die Abwesenheit des Wächters konnte sich der Wels-Fisch losreißen und unter der Erde so heftig bewegen, dass es zum großen Erdbeben gekommen ist. Auf den Bildern findet sich kein Name des Künstlers oder Zensurstempel, da die Produktion aufgrund der Aktualität einerseits schnell gehen musste und andererseits auch anonym erfolgen musste, wegen des Verbots der Abbildung von aktuellen Ereignissen. Da die Infrastruktur der Zensurinstitutionen auch zerstört worden war blieb den Produzenten jedoch ein kleiner Vorsprung.
Die Bilder hatten zwei verschiedene inhaltliche Motive: Die früheren Darstellungen, unmittelbar nach dem Erdbeben entstanden, stellten den Wels immer als etwas Negatives dar, der Zerstörung und Leid hervorgebracht hatte. In späteren Bildern wurde der Wels von seiner positiven Seite gezeigt, der den wirtschaftlichen Aufschwung durch den nötig gewordenen Wiederaufbau verursacht hatte.

Nisshin- Nichiro sensō-e (Bilder vom Sino-Japanischen und Russisch-Japanischen Krieg)

Über die zwei Kriege der Meiji-Zeit, den Sino-Japanischen Krieg (Nisshin sens?, 1894-95) und den Russisch-Japanischen Krieg (Nichiro sens?, 1904-05) wurden jeweils Kriegskarikaturen angefertigt. Darunter gab es zwei Serien mit den Titeln Nippon banzai und Hyakusen hyakush?. Während nur die Lesung des letzten Titels wörtlich „100 Kriege, 100 Siege“ bedeutet, können die Zeichen auch mit „100 mal ausgewählt, 100 mal ausgelacht“ übersetzt werden.
Die letzte Serie von Holzschnitten die im großen Stil produziert wurde, waren Bilder über den Russisch-Japanischen Krieg.

Seinan sensō-e (Bilder vom Seinan-Krieg)

1877 stellte der Anführer der Kagoshima-Anhänger, Saigō Takamori, bei Kumamoto eine Armee gegen die Politik der neuen Meiji-Regierung, wie der Abschaffung des Samurai-Standes, auf. Dieser Seinan sensō (Südwestliche Krieg oder Satsuma Rebellion) wurde zum Thema vieler Karikaturen.

shini-e (Totengedenk-Bilder)

Memorial-Bilder kamen in der zweiten Hälfte der Edo-Zeit auf. Als Erinnerung an Verstorbene – meist berühmte Schauspieler oder andere Berühmtheiten – wurde ein Porträt ihres Lebens gezeichnet. Diese Bilder enthielten die Lebensdaten des Verstorbenen, Gedichte, Todesursache, das Abschiedsgedicht des Toten, seinen posthumen Namen oder Ähnliches. Da Memorial-Bilder verboten waren trugen sie keinen Namen des Künstlers oder Zensurstempel. Um sich über den Verlust hinweg zu trösten, waren die Inhalte auf eine lustige Art dargestellt. Das populärste Memorial-Bild-Thema mit 100-300 verschiedenen Motiven kam anlässlich des Todes des Kabuki-Schauspielers Ichikawa Danjūrō VIII auf. Der damalige Superstar der Kabuki-Welt hatte 1854 mit 32 Jahren in Ōsaka Selbstmord begangen. Aufgrund der mysteriösen Umstände seines Todes fanden sich auch die verschiedensten Verschwörungstheorien in den Bildern wieder.

shōgun jōraku-e (Shoguns Prozession-Bilder)

1863-64 entstand eine Serie shōgun jōraku-e über den Einzug des Tokugawa Shoguns beim Kaiser in Kyōto. Alle "53 Stationen des Tōkaidō" von Edo bis Kyōto sowie der Empfang im Kaiserpalast wurden dargestellt. Da diese Abbildung jedoch verboten war wurde auf den Bildern der Tokugawa Shogun als Minamoto Yoritomo dargestellt.

uke-e (Glücks-Bilder)

Die Lehre von Yin und Yang besagt, dass sich jeweils sieben gute mit fünf schlechten Jahren abwechseln. Deshalb verschenkte man uke-e auf denen immer sieben Dinge abgebildet waren, die mit dem ersten Laut von „fuku“ (Glück) begonnen. Z.B.: „fude“ (Pinsel), „Fuji-san“ (Berg Fuji) etc. So versuchte man, das Glück an sich zu binden. Die Mode uke-e zu verschenken um Glück zu bringen, entstand Ende der Edo-Zeit.

usagi-e (Hasen-Bilder)

1874 hatte die Regierung das Züchten von Hasen vorangetrieben. Daraufhin entstanden viele humoristische Bilder und Karikaturen über dieses Thema.

yakusha-e (Schauspieler-Bilder)

Bilder von berühmten Kabuki-Schauspielern. Am 4. Tag des 6. Monats des Jahres 1842 hat die Regierung ein Gesetz erlassen, das das Abbilden der Schauspieler aber auch der Bühnenbilder, Requisiten etc. des Kabuki-Theaters verboten hat. Kuniyoshi und seine Schüler griffen zur List, die Schauspieler-Bilder mit tierischen Protagonisten zu versehen, die jeweils einen Schauspieler repräsentierten, und konnten so das Gesetz umgehen.

Yokohama-e (Yokohama-Bilder)

1858 wurde ein Handelsvertrag mit US-Amerika, danach auch mit Russland, England, Frankreich und den Niederlanden abgeschlossen. Im Zuge dieser Verträge wurden die Häfen von Nagasaki, Hakodate und Yokohama für ausländische Schiffe geöffnet. Daraufhin entwickelte sich Yokohama rasch zu einer grosen Handelsstadt in der sich auch viele Ausländer niederliesen. Die Yokohama-Bilder befassten sich mit dem neuen Lebensstil der Ausländer in Yokohama und wurden sehr populär.

yose-e (Zusammengesetzte Bilder)

Die einzelnen Bildelemente werden durch verschiedene kleinere Objekte zusammengestellt, die mit dem Hauptbild nichts zu tun haben müssen. Beispiel: mehrere menschliche Körper ergeben in ihrer speziellen Anordnung das Gesamtbild eines menschlichen Kopfes.